APEX RACEWIRE Redaktion
Haas setzt Ocon in Mexiko auf die Bank: Hirakawa vor plötzlichem F1-Debüt
Haas hat Esteban Ocon ohne Erklärung aus dem Großen Preis von Mexiko abgezogen. Ersatzpilot Ryo Hirakawa gibt ein überraschendes Formel-1-Renndebüt, während das Team zu Ocons plötzlicher Verbannung schweigt.
Von Nadia van Leeuwen - 2026-10-31T14:59:55.000Z - 3 Min. Lesezeit
Haas hat das Fahrerlager in Mexiko-Stadt geschockt: Esteban Ocon wurde für den Rest des Grand-Prix-Wochenendes auf die Ersatzbank verbannt, wodurch Test- und Reservepilot Ryo Hirakawa zu einem völlig unerwarteten Formel-1-Renndebüt kommt. Der US-Rennstall bestätigte, vor den Samstags-Sessions auf dem Autódromo Hermanos Rodríguez eine offizielle Ausnahmegenehmigung der FIA für Ocons Austausch beantragt und erhalten zu haben, lieferte für die abrupte Absetzung seines Führungsfahrers jedoch keinerlei betriebliche Begründung.
In einer wortkargen Mitteilung gab Haas bekannt, dass Hirakawa im abschließenden Freien Training, im Qualifying und im 71 Runden langen Grand Prix am Sonntag an der Seite von Oliver Bearman antreten wird. Weiteren Nachfragen schob das Team umgehend einen Riegel vor und erklärte knapp, man werde derzeit keine weiteren Stellungnahmen abgeben. Während im Paddock sofort Spekulationen über Ocons körperliche Verfassung aufkamen, berichtete das britische Portal RaceFans, Haas habe ausdrücklich bestätigt, dass der Franzose keineswegs erkrankt sei – was das Rätsel um seinen plötzlichen Ausschluss nur noch vergrößert.
Die Entscheidung folgt auf einen unruhigen Freitag für Ocon, der das zweite Freie Training auf Rang 13 knapp vor Teamkollege Bearman beendet hatte. Im Verlauf dieser Session hatte Ocon am Boxenfunk gegenüber seiner Renningenieurin Laura Mueller deutlichen Unmut geäußert und die gewählte Reifenstrategie der Mannschaft hinterfragt. Zwar sind Frustrationen über Fahrpläne im modernen Grand-Prix-Training keineswegs ungewöhnlich, doch das Fehlen jeder medizinischen Begründung veranlasste das italienische Fachmagazin FormulaPassion zu der Mutmaßung, Haas habe womöglich eine Disziplinarmaßnahme verhängt – sofern nicht ernste, vertrauliche persönliche Angelegenheiten den Wechsel erzwangen.
In die Bresche springt nun der 32-jährige Hirakawa, den eine enorme Bewährungsprobe in der Höhenluft erwartet. Der Japaner bringt hochkarätige Langstrecken-Erfahrung mit: Mit Toyota sicherte er sich zwei Titel in der World Endurance Championship sowie den Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Le Mans. Völlig fremd ist Hirakawa der aktuelle Haas-Bolide ohnehin nicht, da er den VF-26 bereits im ersten Freien Training am Freitag in Mexiko steuerte und das Tableau auf Platz 15 abschloss.
Der Einsatz am Freitag war Hirakawas dritter Auftritt in einem Freien Training der Saison 2026 für Haas und die neunte offizielle F1-Trainingssession seiner Karriere. Ein komplettes Grand-Prix-Wochenende zu bestreiten, ist jedoch eine ganz andere Herausforderung. Der von Toyota geförderte Routinier muss sich nun extrem kurzfristig an den Härtetest eines Qualifyings und an Rad-an-Rad-Duelle im Rennen neben Rookie Bearman gewöhnen – und rückt damit mitten ins Rampenlicht, während Haas im engen Mittelfeld um WM-Punkte kämpft.
Für Ocon weckt der Schock der Demontage unangenehme Erinnerungen an seinen vorherigen Vertragsabschied. Dass der Franzose Haas nach Abschluss der Saison 2026 verlassen würde, stand bereits fest; erst kürzlich verkündete das Team, dass Ferrari-Akademie-Zögling Rafael Câmara sein Cockpit für 2027 übernehmen wird. Ein fast identisches Szenario erlebte Ocon in seinen letzten Wochen bei Alpine 2024: Damals stellte ihn der Rennstall aus Enstone vor dem Saisonfinale in Abu Dhabi kalt, sobald die bevorstehende Trennung besiegelt war.
Ob diese plötzliche Verbannung in Mexiko bereits das endgültige Ende von Ocons Engagement bei Haas bedeutet, bleibt ungeklärt. Das Team hat sich weder dazu geäußert, ob Hirakawa das Cockpit für die verbleibenden vier Saisonrennen nach Mexiko-Stadt behalten wird, noch gab es irgendeinen Hinweis darauf, wann Ocon an die Box zurückkehren könnte. Hinter verschlossenen Türen und bei totaler Funkstille im Haas-Motorhome beobachtet das Fahrerlager eine verfahrene Pattsituation, die Ocons unmittelbare motorsportliche Zukunft völlig in der Schwebe lässt.