APEX RACEWIRE Redaktion
Colton Herta wechselt in die Formel 2, um Weg in die Formel 1 zu ebnen
IndyCar-Rennsieger Colton Herta startet künftig in der Formel 2 und übernimmt zugleich eine Testrolle bei Cadillac, um die letzten nötigen Superlizenz-Punkte für die Formel 1 zu sammeln.
Von Michael de Vries - 2025-09-04T16:20:43.000Z - 2 Min. Lesezeit
US-Spitzenpilot Colton Herta wechselt überraschend in die FIA-Formel-2-Meisterschaft und kombiniert dort eine Saison in der Nachwuchsklasse mit Testaufgaben für das künftige Formel-1-Projekt von Cadillac. Der Schritt ist ein seltener Rückschritt für einen etablierten Top-Profi, der den Sprung in die Grand-Prix-Startaufstellung schaffen will.
Im Zentrum des Programms steht die Jagd nach der FIA-Superlizenz. Obwohl Herta über reichlich Erfahrung auf höchster Ebene des US-Motorsports verfügt, fehlt ihm weiterhin die erforderliche Qualifikationspunktzahl. Der Einstieg in die Formel 2 bietet ihm neben geplanten Freitagseinsätzen für Cadillac den direktesten Weg, die verbleibenden Zähler einzufahren.
Mit seinem Vollzeiteinstieg 2019 krönte sich Herta zum jüngsten Rennsieger in der Geschichte der IndyCar-Serie. In den folgenden Saisons holte der US-Amerikaner neun Rennsiege sowie mit Rang zwei sein bestes Gesamtergebnis. Immer wieder wurde sein Name mit einem Formel-1-Wechsel in Verbindung gebracht, ehe er sich nun für den europäischen Formelsport entschied.
Über die rein rechnerischen Lizenzvorgaben hinaus bietet das Engagement in der Nachwuchsserie wertvolle Praxis auf der Strecke. Durch die Rennen im Rahmenprogramm der Grands Prix kann sich Herta mit dem Reifenmanagement, den Abläufen eines Rennwochenendes und europäischen Strecken vertraut machen, die im US-Kalender fehlen, während ihm die Testfahrerrolle Fahrzeit im Cadillac-Boliden sichert.
Das europäische Umfeld ist für ihn keineswegs Neuland. Herta fuhr bereits früher in Übersee-Nachwuchsklassen und belegte 2015 in Lando Norris' Meistersaison den dritten Platz in der MSA Formula. 2016 folgten Gesamtrang drei in der Euroformula Open, Platz zwei in der spanischen Formel 3 sowie ein Laufsieg bei vereinzelten Starts in der britischen Formel 3.
Die Rückkehr in Nachwuchsfahrzeuge birgt für einen gestandenen Rennsieger klare sportliche Risiken. Nach der schwierigen Phase von Logan Sargeant, dem letzten US-Amerikaner in einem Grand Prix, steht Herta unter besonderer Beobachtung: Ein etabliertes Talent, das sich in Boliden beweisen muss, die üblicherweise Nachwuchshoffnungen vorbehalten sind.
Die Doppelbelastung aus Formel-2-Kalender und Werkstests wird zeigen, wie schnell sich Herta an das Zwischenfahrzeug und die Paddock-Kultur anpasst. Für Cadillac ist das Rennprogramm ihres Testfahrers der geradlinigste Weg, um vor einem möglichen Aufstieg in die Formel 1 die nötigen Lizenzvoraussetzungen zu schaffen.