APEX RACEWIRE Redaktion
Toyota holt WEC-Heimsieg in Fuji nach spätem Safety-Car-Poker
Ryō Hirakawa, Sébastien Buemi und Brendon Hartley stürmten nach einer mutigen Boxenstrategie auf dem Fuji Speedway an die Spitze.
Von Michael de Vries - 2026-09-27T11:19:00.000Z - 3 Min. Lesezeit

Das titelankämpfende Toyota-Team hat beim 6-Stunden-Rennen von Fuji durch einen entscheidenden Strategiepoker in der Schlussstunde einen Meilenstein mit dem zehnten Heimsieg errungen. Das späte taktische Manöver katapultierte den Rennstall an die Spitze der FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) und drehte damit das um, was zuvor wie ein dominantes Wochenende für die Herstellerkonkurrenz ausgesehen hatte. Während der ersten fünf Stunden des Langstreckenrennens schien das Alpine Endurance Team das Geschehen auf dem Fuji Speedway fest im Griff zu haben, nachdem es im Qualifying die erste Startreihe komplett für sich beansprucht hatte.
Die beiden französischen Prototypen gaben in der Anfangs- und Mittelphase des Rennens das Tempo vor, während das übrige Feld händeringend nach einer Antwort suchte. Das sportliche Bild änderte sich jedoch schlagartig, als nach einem schweren Unfall des Garage-59-LMGT3-McLaren mit Finn Gehrsitz am Steuer eine späte Safety-Car-Phase ausgerufen wurde. Gehrsitz blieb bei dem Aufprall unverletzt, doch der Vorfall schob das Feld zusammen und löste an der Boxenmauer eine hektische Entscheidungsfindung aus, als sich die Teams auf einen Sprint bis zur Zielflagge vorbereiteten.
Während alle Konkurrenten in die Boxengasse abbogen, setzte Toyota bei dem von Ryō Hirakawa, Sébastien Buemi und Brendon Hartley pilotierten #8 GR010 Hybrid Hypercar alles auf eine Karte. Das Fahrzeug hatte in der Anfangsphase des Rennens nach einem Dreher, ausgelöst durch Harry Tincknell bei der Annäherung an die erste Kurve, einen Rückstand aufholen müssen und verkehrtrum gestanden. Weil das Team auf einen Reifenwechsel verzichtete und beim letzten Stopp lediglich kurz nachbetankte, machte das Auto mit der Startnummer 8 vom sechsten Platz aus den Sprung direkt an die Spitze des Feldes.
Rivalisierende Teams verfolgten beim entscheidenden Stopp unterschiedliche Ansätze. BMW ging ein kalkuliertes Risiko ein und ließ Dries Vanthoor im #15 M Hybrid V8 auf gebrauchten Reifen draußen. Alpine hingegen setzte auf eine konservativere Strategie und stattete das Auto mit der Nummer 36 für Victor Martins mit einem kompletten Satz frischer Michelin-Reifen aus, während dem Schwesterauto (#35) von Charles Milesi zwei neue Reifen auf der linken Seite aufgezogen wurden. Diese Entscheidungen warfen das Alpine-Duo im Klassement zunächst auf den dritten beziehungsweise fünften Platz zurück.
Als das Rennen mit nur noch zwanzig verbleibenden Minuten auf der Uhr wieder freigegeben wurde, startete Martins sofort eine Aufholjagd durch den Verkehr. Der französische Rookie überholte den Aston-Martin-BOLT-Boliden des THOR Teams mit Marco Sørensen am Steuer, woraufhin Teamkollege Milesi ihn absichtlich vorbeizulassen schien, um einen Angriff auf die Führenden zu starten. Martins schnappte sich rasch Vanthoor für den zweiten Platz und nahm das Heck von Hirakawa ins Visier, womit die Bühne für ein spannendes Mehrrunden-Duell um den Gesamtsieg in den finalen Momenten des Rennens bereitet war.
Hirakawa hielt auf heimischem Asphalt hartnäckig dagegen und nutzte taktische Abstände sowie Überrundungsverkehr, um den attackierenden Alpine abzuwehren. Der japanische Pilot wehrte jeden Überholversuch erfolgreich ab, kreuzte als Erster die Ziellinie und sicherte der Crew den zweiten Saisonsieg sowie Toyotas ersten Triumph in Fuji seit drei Jahren. Die Ausbeute an Meisterschaftspunkten spülte Hirakawa, Hartley und Buemi an die Tabellenspitze der Fahrer-Weltmeisterschaft, während die Saison in ihre finale Phase eintritt.
Mit Blick auf die hektischen Schlussrunden räumte Hirakawa ein, dass der Neustart auf nasser Strecke mit kalten Reifen mit enormem Druck verbunden war. Er bemerkte, dass ein überrundeter BMW vor ihm als nützlicher Referenzpunkt diente, während ein weiteres rivalisierendes Auto als defensiver Puffer gegen den heranstürmenden Alpine fungierte. Die Unterstützung durch das Team und das Echtzeit-Feedback halfen dabei, den Vorsprung bis zum Fallen der Ziellagge vor den einheimischen Zuschauern zu verwalten.
Nachdem das Podium durch den #36 Alpine und den #15 BMW komplettiert wurde, richtet sich die Aufmerksamkeit nun auf den nächsten Lauf im Kalender. In der LMGT3-Kategorie feierte das Team WRT nach einem chaotischen Gerangel zwischen mehreren Fahrzeugen seinen ersten Saisonsieg, wobei Augusto Farfus, Sean Gelael und Darren Leung den #32 BMW M4 Evo zum Klassensieg steuerten. Der Titelkampf wird im nächsten Monat bei den anstehenden 6 Stunden von Barcelona fortgesetzt.