APEX RACEWIRE Redaktion

Antonelli gibt Russell im Monza-Qualifying Windschatten nach Motorenstrafe

Wegen einer Motorenstrafe ans Ende der Startaufstellung von Monza verbannt, peilt Kimi Antonelli Q3 rein an, um Mercedes-Teamkollege George Russell im Qualifying aerodynamischen Windschatten zu spenden.

Von Michael de Vries - 2026-09-03T19:11:34.000Z - 3 Min. Lesezeit

Persönliche Ambitionen beim Heimrennen zu opfern, entspricht selten den Vorstellungen eines italienischen Piloten von einem Grand-Prix-Wochenende. Kimi Antonelli wird den Samstagnachmittag in Monza jedoch ganz in den Dienst von George Russell stellen. Nach Motorenstrafen auf die letzte Startreihe verbannt, bestätigte der Lokalmatador, dass er sich im Qualifying voll in den Dienst von Mercedes stellt. Statt selbst einer bedeutungslosen Rundenzeit nachzujagen, will Antonelli die K.-o.-Runden überstehen und Q3 erreichen, einzig um Russell auf den Hochgeschwindigkeitsgeraden der Strecke aerodynamischen Windschatten zu liefern.

Das Windschattenduell auf den langen Geraden von Monza sorgte im Qualifying schon häufiger für chaotische Szenen, bei denen Fahrer früher durch die letzten Kurven schlichen, um die Linie bloß nicht als Erster zu überqueren. Unter dem Reglement von 2026, in dem die nutzbare elektrische Energie streng limitiert bleibt, besitzt das Aufreißen des Luftstroms einen noch höheren taktischen Wert. Ein kooperativer Teamkollege auf der Strecke verschafft Russell auf den Geraden einen unmittelbaren Geschwindigkeitsvorteil, den an diesem Wochenende kein anderes Spitzenteam sauber nachbilden kann.

Ohne sportlichen Einsatz bei seiner eigenen Startposition akzeptierte Antonelli seine Helferrolle ohne Zögern. Der Teenager erklärte, er sei bereit, jede Anweisung vom Kommandostand umzusetzen, da sein Heimrennen als Teamaufgabe und nicht als Einzeldarstellung verstanden werden müsse. Das Vordringen ins Top-10-Shootout bleibt sein primäres Ziel, damit Mercedes mit zwei Autos vertreten ist, um den Windschatten zu organisieren, sobald die Entscheidung um die Pole-Position fällt.

Für Russell ist dieser Gefallen eine rasche Begleichung der Rechnungen aus Zandvoort nur wenige Tage zuvor. Beim Großen Preis der Niederlande leistete der Brite keinen Widerstand, als er angewiesen wurde, den zweiten Platz an seinen Teamkollegen abzutreten, und stellte das Teamergebnis über sein eigenes Punktekonto. Russell verwies auf diesen reibungslosen Platztausch als Beleg für ein außergewöhnlich intaktes Stallklima; da beide Fahrer das Nachwuchsprogramm von Mercedes durchlaufen hätten, sei die Priorisierung des Herstellers das Mindeste, was man von ihnen erwarten könne.

Mit Blick auf die verbleibende Europasaison und darüber hinaus räumte Russell ein, dass sich das Kontoblatt mit ziemlicher Sicherheit ausgleichen wird. Der Brite enthüllte, dass er wegen der Zuteilung der Antriebseinheiten bei einem der kommenden Rennen selbst eine Motorenstrafe absitzen muss, auch wenn der genaue Austragungsort noch offen ist. Sobald diese Strafe fällig wird, erwartet Russell von Antonelli dieselbe Geste – als Bestätigung eines gegenseitigen Pakts, der beide Fahrer im Titelrennen halten soll.

Andernorts in der Boxengasse stehen rivalisierende Rennställe vor einem weitaus komplizierteren Spagat. Ferrari reist zu seinem Heimspiel mit zwei Fahrern an, die beide auf die erste Startreihe schielen, und nutzt ein rotierendes Garagensystem zur Festlegung der Position auf der Strecke. Charles Leclerc bestätigte, dass Lewis Hamilton an diesem Wochenende den Vorrang hat, womit der Brite bestimmen darf, wann er die Box verlässt, um Windschatten zu erwischen. Anders als bei Mercedes wird jedoch kein Ferrari-Pilot eine schnelle Runde opfern; Leclerc erklärte, dass man zwar auf ideale Abstände achte, er seinen Windschatten aber bei der Konkurrenz suchen müsse, statt sich auf Hamilton zu verlassen.

Ein teaminternes Titelduell wirft unweigerlich die Frage auf, wie lange solche Großzügigkeit anhält, bevor der Eigennutz überhandnimmt. Russell wies Spekulationen über unmittelbare Spannungen zurück und betonte, egoistisches Handeln früh in der Saison schade einem später nur selbst. Zwar räumte er ein, dass ein engerer Punktestand in den Schlussrennen letztlich zu einer Absprache führen könnte, kompromisslos gegeneinander zu fahren, doch bleibe der Schutz der übergeordneten Teaminteressen vorerst der einzig vernünftige Weg.

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